Sie verkaufen ein Gefühl
Luxus.
Qualität.
Langlebigkeit.
Sie verkaufen einen Traum.
Lifestyle.
Sie dienen, im besten Fall.
Sie wollen gefallen.
Sie träumen davon, mit ihren Kunden gleichzuziehen.Sie lieben ihre Kunden.Bis zur Selbstverwechslung.
Ohne sie geht gar nichts.
Die Kunden sind das Bewusstsein des Geschäfts.Gefürchtet und gehätschelt.
Sie wissen das.
Verkäuferinnen und Verkäufer.
Ganz leicht sieht alles aus, was sie tun.Ganz leicht muss alles aussehen.
Und genau darin liegt die Methode.
Hier ist der Ort,wo die Weltstadtzur Luxusmeile gerinnt.
Hier ist der Ort,wo eine Meilefünfhundert Meter misst.
Hier ist Luxus pur.
Eine Flagship-Marke neben der anderen.
Maximilianstraße, München.
Wer nach dem Preis fragt, kauft nicht.
Diese Regel galt früher.In der goldenen Zeit.
Als Helmut Bergermit Romy Schneiderund Luchino Viscontizum Frühstück, Mittag und Abendessenin mindestens drei Metropolenan einem einzigen Tag verabredet waren. Damals, als die Bussis noch nicht ausgedient hatten.
Heute ist alles anders.
Heute herrscht das Hallo und das Du.
Im Opern-Espresso.Im Café Kulisse.In der Bar Centrale.
Am Morgen.Am Nachmittag.Am Abend.
Je nach Vorliebeund Kragenweite.
Seelenlandschaft Maximilianstraße.
Alles absolut top.
Wir fragen nach denen,die es wissen.
Quellenwissen: Verkäufer.
Wer sind sie,deren Lebenvon einem Brand bestimmt wird?
Sie leben für das Geschäft,in dem sie arbeiten.
So viel ist sicher.
In Wirklichkeit sind sie die Besitzerder Geschäfte,in denen sie schalten und walten.
Sie sind Meister. Sie wirken wie Könige und Königinnenin perfekt gestylten Räumen.
Jeder Eintretende erfährteinen Wimpernschlag von ihnen.
Der erste Kontakt, der taxiert.
Jeder wird durchleuchtet.
Jeder wird durchschaut.
Sie repräsentieren ihre Macht. Elegant. Präzise.
Sie machen ihren Kunden klar: wer, wo, wie, wie lange und warum.
Ungeschulte Augenkönnten sie fastmit ihren eigenen Kunden verwechseln.
Sie gebärden sich wie Klone.Und gehören doch nicht dazu.
Sie sind zu High-End-Partys geladen.Erscheinen.Sprechen mit.
Wiederholen das Vorgegebene.
Kein eigener Stil.Keine eigene Substanz.
Und doch entscheiden sie,was hip istund was flop.
Niemand unterschätzt sie.
Wenn sie dem Rausch erliegen,dem eigenen Kunden nachzuleben,beginnt die Verwandlung.
Ihre Ware trägteine immerwährende Begehrlichkeit.
Und sie werden zu Klonen.
So geht das:
Coiffeur. Maniküre. Kosmetik. Solarium.
Und ganz oben auf der Liste: Zähne.
Reiner. Weißer. Gerader.
Naturweiß. Natriumweiß.
Markenprodukte.Vorwiegend aus dem eigenen Brandstore.
Zwei Drittel des Gehaltsfür Kleidung.
Reduziert.Zu Eigenbedarfskonditionen.
Und immer:sich sehen lassen.
In Restaurants.Bars.Treffpunkten.
Dort,wo man seine Kunden wiedertrifft.
Man kennt ihre Details.Ihre Sorgen.Ihre Nöte.
Doch hier spricht man nicht so intimwie dort im Laden.
Hier begegnet man sich vorsichtiger.
Schweigend.
Und doch freut sich jeder.
Jeder weiß,wo er hingehört.
Plötzlich wieder Bühne.Rolle.
Hallo.
Dort, wo es kein Du gibt,wird es einfachimpliziert.
Ganz leicht.
Ganz selbstverständlich.
Fernab der Konzernzentralenhaben sie die Kunden im Griff.
Sie wissen,was sich verkauft.
Hier greifen Gesetze.
Regeln,die in keinem Regelbuchder Welt verzeichnet sind.
Dort, wo frühererfahrene Verkäuferinnen standen –
reif, eloquent, diskret –
wird heutejung, jünger, am jüngstengeadelt.
Die Lebenserfahrenenwerden zur Feuerwehr.
Für das alte,sanfte,wohlhabendeKundenklientel.
Die Jungen dringen ein.
In ihre Kunden.In ihre Libido.In ihre Beziehung zur Ware.
Sie müssen beweisen,wie sehr sie lieben,was sie verkaufen.
Nur so sind sie brauchbar.
Nur so sind sie gut.
Und sie wissen das.
Sie sind austauschbar.
Von Geschäft zu Geschäft.Von Brand zu Brand.
Gebrandet.
Der Verkäufer liebt,was er verkauft.
Ohne Vorbehalt.
Man trifft sie morgensin der U-Bahn.
Der Wert des Verkäufersist arbeitsplatzabhängig.